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Der Juni

Sonntag, 01.06.2003 (Tag 28)

Am Sonntag schliefen wir erst mal aus, dann machten Elke, Rose, Thomas H. und ich uns auf den Weg zum botanischen Garten Penangs. Der liegt im Nordwesten Georgetowns. Hier fanden wir zum ersten Mal seit langem wirklich Ruhe vor Menschengewusel und Autolärm.

Nach einer reibungslosen Fahrt mit dem Bus kamen wir gegen 14 Uhr am botanischen Garten an. Davor gab es ein Sammelsurium von Essens- Kleidungs- und sonstigen Verkaufsständen, wie mann es vor praktisch jeder großen Touristenattraktion findet.

Im Park selbst war es einfach nur schön. Ein Teil des Parks ist, wie man es aus vielen ähnlichen Grünanlagen kennt, mit verschiedenen Pflanzen übersät, über die kleine Schilder Auskunft geben. Die meisten davon hatte ich noch nie gesehen.

Thomas und sein Freund, das Irgendwas
Seltsam, aber schön
Die Panne ist eine Mischung aus Palme und Tanne
Lily Pond

Im hinteren Teil des Parks gibt es eine Gegend mit sehr schönem Regenwald. Der ist größtenteils naturbelassen. Wenn man einem kleinen verschlungenen Pfad folgt, kommt man zum sogenannten Lily Pond. Das ist ein Teich mit Wasserlilien, der unheimlich friedlich inmitten des Regenwalds liegt. Darin schwimmen Karpfen, Goldfische und eine Vielzahl winziger anderer Fischchen.

Weiter auf dem Weg um den Park begegneten uns einige Affen. Obwohl am Eingang unzählige Schilder mit der Aufschrift "Affen füttern verboten!" standen, wurden diese rege mit Essen versorgt. Zum Teil wqren sie auchganz schön frech, aber da es nur kleine Rhesusaffen waren, ließen sie sich von uns noch einigermaßen einschüchtern. Dumm waren sie allerdings nicht. Wir beobachteten einen der Affen lange dabei, wie er versuchte, eine Sprite-Dose zu öffnen, die er irgendwo geklaut hatte.

Die Errungenschaften der Primaten

Auf dem Rückweg fanden wir noch eine ganz schöne Stelle an einem kleinen Bachläuf, wo ich mich noch ein Weilchen auf eine sehr pittoresk gelegene Bank setzte. Etwas unwohl war mir schon, da wir kurz vorher eine kleine Wasserschlange im Bach gesehen hatten.

Jan

Auf dem Rückweg vom botanischen Garten zwängten wir uns mit einer deutschen Weltreisenden in ein Taxi, um nicht auf den Bus warten zu müssen. Britta, so hieß sie, war schon sechs Wochen alleine unterwegs gewesen und freute sich, mal wieder Deutsch reden zu können. Den Gefallen taten wir ihr und gingen noch zusammen essen.

Thomas machte den Fehler, beim Thai "spicy" zu bestellen. Er aß dann den restlichen Tag nichts mehr. Am Abend gingen wir alle noch ein letztes Mal mit Christine zu unserem Lieblings-Tandoori-Inder, Kassim Mustafa, und beschlossen den Tag. Ihre Abreise verursachte bei mir gemischte Gefühle. Einerseits vermisse ich schon Deutschland und alle, die ich dort zurückgelassen habe, andererseits kann ich mir das Leben hier fast nicht angenehmer vorstellen. Na gut, bis ich mir darüber Gedanken machen muss, vergehen noch vier Monate.

Dienstag, 03.06.2003 (Tag 30, Geburtstag von Elke)

Am Dienstag war ich beim deutschen Konsulat in Penang. Das war ein Abenteuer, schon es zu finden war nicht ganz einfach. Es ist in der Forma "OE Design" untergebracht. Dort saß ich dann im Foyer, und eine Sekretärin brachte mir ein Formaular, um meinen neuen Pass zu beantragen. Zuerst wollte sie meinen alten Pass dabehalten, aber ich konnte sie überzeugen, davon abzusehen.

Das ganze war nötig geworden, weil ich erst hier gemerkt habe, dass Malaysia einen nur einreisen lässt, wenn man einen Pass mit sechs Monaten Restgültigkeit vorweisen kann. Bei Reisen nach Singapur oder Thailand wäre ich daher ab Mitte Juli angeschmiert.

Am Dienstagabend versammelten wir uns alle in der Wohnung von Elke und Susanne, weil Elke zum Essen geladen hatte. Es gab nach langer Durststrecke mal wieder europäisches Essen, Salat und Nudeln mit Tomatensauce. Elke war die meiste Zeit mit Telefonieren beschäftigt, aber das verstand wohl jeder. Das Essen war gut, und wir saßen gemütlich mit einigen Bieren zusammen und tauschten uns über das vergangene Wochenende aus. Ein Bisschen später kam auch noch der nächste

Zuwachs: Hans-Jörg

dazu. Von ihm gibt es noch keine Fotos. Er ist ein "echter" Trainee bei Bosch. Echt kommt daher, dass wir alle hier Trainees genannt werden. Im deutschen Sinne ist ein Trainee ja jemand, der seine Ausbildung bereits beendet hat und in einem Unternehmen verschiedene Stationen im Rahmen eines Traineeprogramms durchläuft. So einer ist Hans-Jörg.

Mittwoch, 04.06.2003 (Tag 31)

Neues Buch angefangen, die "Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson. Das gab es für nur 10 Ringgit, da musste ich einfach zuschlagen. Ich muss sagen, ein wirklich gutes Buch, auch wenn ich es auf Deutsch schon kenne.

Freitag, 06.06.2003 (Tag 33)

Heute habe ich den halben Tag damit verbracht, meine Website wieder in Schuss zu bringen. Sie ist nämlich wieder erreichbar!

Heute Abend fahre ich mit Michael, Natascha, Elke und Rose in die Cameron Highlands, eine Gebirgsregion mit sehr schönem Regenwald. Ich bin gespannt und werde sicher eine Menge Fotos machen.

Nun bin ich zurück. Es ist Montag, und ich bin noch voll der Eindrücke von diesem wunderschönebn Wochenende.

Am Freitag ist nicht mehr allzu viel passiert. Wir kamen nach vier Stunden Fahrt in der Stadt Tanah Rata in den Cameron Highlands an. Dort checkten wir zuerst in unsere Unterkunft ein. Daniels's Lodge ist ein sehr lebendiges Gästehaus in Tanah Rata. Das Personal dort ist sehr nett, es laufen den ganzen Tag über Filme in einem kleinen kinoähnlichen Fernsehraum, und abends kann man in der angeschlossenen kleinen Kneipe ein Bier genießen. Die Gäste sind in der großen Mehrheit Backpacker.

Daniel's Lodge von außen...
...und von innen

Nach einem sehr schlampig servierten, aber guten chinesischen Essen und einem kurzen Abstecher in eine Bar legten wir uns schlafen, um für die Bergwanderung am nächsten Tag fit zu sein.

Samstag, 07.06.2003 (Tag 34)

Der Tag fing ganz gemütlich an. Aufstehen um halb zehn. Laangsam duschen. In der hellen Sonne sitzen. Auf die anderen warten. Reiseführer lesen. Auf zum Frühstück!

Das Frühstück war in Tanah Rata an beiden Tagen etwas ausgiebiger. Nach einem Bananen-Roti (eine Art dicker Pfannkuchen), zwei Toasts mit Rührei, einem Murtabak (ähnlich wie Roti,. nur mit Gemüse oder Fleisch gefüllt) und Kaffe war ich reif für einen Verdauungsschlaf. Es sollte aber ein Verdauungsspaziergang werden. Nach kurzer Beratung trennten wir uns in zwei Gruppen. Rose, Elke und ich gingen einen längeren Weg, Natascha und Michael, der unseren Weg schon kannte, einen kürzeren.

Unser erster Weg, Trail 9

Die Wege in den Cameron Highlands sind gut ausgebaut. Mit etwas Geschick und Ausdauer sollte sie jede/r gehen können, vorausgesetzt man hat keine ernsthaften Bein- oder Knieprobleme. Sie sind sogar ausgeschildert, mitten im Dschungel zeigen autobahnähnliche gelbe Schilder den Weg.

Dschungelpfad für Anfänger

Unsere erste Station, die Robinson Falls, lag auf dem beliebtesten Weg, Trail 9. Der Weg war mit Steinplatten gepflastert, so dass wir uns auf einen sehr geruhsamen Spaziergang gefasst machten. Der Wasserfall war ein schöner Einklang f/ur unseren Dschungeltag.

Der Wasserfall von oben...
...und von unten

Der richtige Dschungelpfad

Nachdem wir den Wasserfall gesdehen hatten, wandten wir uns unserem eigentlichen Plan zu: Wir wollten den Gipfel des Gunung Berembun, immerhin 1874m hoch, erklimmen. Das sollte laut Reiseführer 3 Stunden für den Aufstieg und 2,5 für den Abstieg dauern.

Der Pfad

Jetzt ging es erst richtig los, was das Wandern anging. Der Weg war nicht mehr gepflastert, sondern nur noch einigermaßen von Pflanzen befreit, und die freigelegten Wurzeln der Bäume bildeten Stufen, über die man ganz gut gehen konnte. Die Steigung war an manchen Stellen sicherlich über 30 Grad.

Auf dem Weg hinauf waren wir recht gemütlich. Wir ließen uns Zeit, den Gipfel zu erreichen, und bestaunten die vielfältige Flora um uns herum. Es gab massenweise Pflanzen, die ich entweder noch nie oder nur im Tropenhaus gesehen hatte.

Schmarotzerpflanzen an einem großen Baum
Die seltsamste Blume
Eine kleine Schlange

Ich muss wohl nicht dazusagen, dass ich davon beeindruckt war. Kurz bevor wir den Gipfel erreichten, erfuhren wir, warum es "Regenwald" heißt. Es regnete, und zwar kräftig. Unter einem komfortablen Baum hatten wir eine halbe Stunde Zeit, um im Reiseführer den Satz "Go early because heavy afternoon rains are common" zu lesen. Danach waren wir zwar schlauer, aber noch nicht weiter.

Jan und Rose auf dem Gunung Berembun

Jedenfalls hörte der Regen wieder auf, und wir setzten unseren Weg die letzten 100 Meter zum Gipfel fort. Die Sicht war nicht besonders gut, weil noch Wolken über den Cameron Highlands hingen. Schade. Um so besser, dass wir uns als nächstes erst einmal verliefen. Zumindest dachten wir das, als unser Weg hinunter doch etwas mehr als steil wurde. Man musste stellenweise 1,5m hinunter springen, von einem ausgebauten Pfad konnte keine Rede sein. Im Nachhinein fanden wir heraus, dass es doch der richtige Weg war, aber aufgrund des rutschigen Untergrunds nach dem Regen kehrten wir um, um einen anderen Weg zu nehmen.

So kamen wir auch noch mal am Gipfel vorbei, wo die Sicht inzwischen besser war. Gut genug jedenfalls für einige Fotos vor dem Gipfel-Schild.

Der Weg hinunter war dann etwas schneller. Die Schwerkraft war mit uns, und nach ca. zwei Stunden waren wir wieder an unserer Unterkunft. Insgesamt hatten wir sechs Stunden gebraucht.

Steamboat

Am Abend aßen wir das typische Cameron-Highlands-Essen: Steamboat. Das ist eine Art Fondue, aber nicht mit Fett, sondern mit Gemüsebrühe bzw. Tom Yam, einer thailändischen Fischsuppe. Man kocht darin auch nicht so viel Fleisch, sondern vor allem Fisch und Meeresfrüchte. Der Tisch sah danach säuisch aus, aber überzeugt Euch selbst:

Der Tisch - vorher
...und nachher
Der Nachtisch -Erdbeerpfannkuchen!
Absacker in der Bar von Daniel's Lodge

Danach gab es eine weiter Cameron-Spezialität: Erdbeeren, und zwar auf Pfannkuchen, mit etwas Vanilleeis. Nicht schlecht. Danach waren wir alle so vollgefreeesen, dass wir noch ein Bisschen in der Bar bei unserem Gästehaus sitzen und Bier trinken mussten, bevor wir schlafen konnten.

Sonntag, 08.06.2003 (Tag 35)

Nach dem vielen Essen am Vorabend hätte es mir eigentlich schlecht gehen müssen, aber ganz im Gegenteil wachte ich wieder fit wie ein Turnschuh um halb zehn auf und konnte mich über den Mückenstich im linken kleinen Zeh freuen. Langsam erinnerte ich mich, dass ich den nachts schon mal bemerkt hatte und extra aufgestanden war, um ein Fläschchen Autan (bzw. No-Bite, die Holzhammer-Alternative) auf alle exponierten Gliedmaßen zu streichen.

Es dauerte natürlich wieder ein wenig, bis wir in Gang kamen. Daran war ich wegen meines ausgiebigen Frühstücks nicht ganz unschuldig. Wir hatten für diesen Tag eine nahegelegene Teeplantage im Auge, und gegen zwölf Uhr machten wir uns mit dem Auto auf den Weg.

Die Teeplantage am Gunung Brinchang

Die Teeplantage

Die Hügel in den Cameron Highlands erscheinen nirgends so rollend und weich wie dort, wo sie feinsäuberlich mit Tee bepflanzt sind. Die Teeplantage der Boh Plantation Sdn. Bhd. liegt an den Hängen des Gunung Brinchang. Kilometerlang fuhren wir an Teefeldern vorbei. Die Eindrücke dort lassen sich wohl am besten mit Bildern vermitteln.


Tee
Das Panorama
Die Aussicht vom Gipfel des Gunung Brinchang aus

Weiter ging es zur Teefabrik. Dort gab es außer einigen Maschinen, die bei der Verarbeitung des Tees benutzt werden, nicht viel zu sehen, aber dafür gab es einen Teeladen und ein kleines Tee-Cafe. Ich kann nicht sagen, dass mich der Tee dort vom Hocker gehauen hat, aber es war eine gute Entspannung vor der langen Fahrt nach Hause.

Auf der Rückfahrt gerieten wir noch in einen Stau, der aber nach einer Stunde durchgestanden war.

Dienstag, 10.06.2003 (Tag 37)

Am Dienstagabend sah ich mir zusammen mit Thomas E., Michael und Natascha den Film "Anger Management" (Die Wutprobe) an. Sehr lustig, wenn auch die Story und das Ende nicht ganz überzeugen.

Mittwoch, 11.06.2003 (Tag 38)

Durian

Die Durian ist eine stachelige Frucht, die zwischen Juni und August in Malaysia wächst und bei den Malaysiern als "The King of Fruit" gehandelt wird. Besonders schmackhafte Exemplare werden zu Höchstpreisen gehandelt, und besonders am Anfang der Saison ist diese Frucht ein für malaysische Verhältnisse teures Vergnügen.

Der Geruch ist für die europäische Nase zuerst einmal unangenehm. Er ist schwer zu beschreiben, doch wenn man ihn einmal kennt, verwechselt man ihn nicht mehr. Ich muss jedoch sagen, dass vieles, was ich vorher über die Lästigkeit des Geruchs gehört hatte, maßlos übertrieben war.

Die große Frucht, die bis zu 30cm lang und 20cm im Durchmesser ist, besitzt innen eine Menge kleinerer Stückchen von maximal 5cm Durchmesser, die jeweils noch einen Kern haben.

Die Konsistenz dieser Früchte ist cremig, und der Geschmack ist wirklich unbeschreiblich. Die Durian schmeckt wie keine andere Frucht, die ich bisher gegessen habe. Ich habe noch niemand getroffen, der den Geschmack anschaulich beschreiben konnte. Beim ersten Mal war er mir zu intensiv undich konnte nur sehr wenig essen, aber schon nach einer Woche bekam ich wieder Lust darauf. Es lohnt sich auf jeden Fall, dieser seltsamen Frucht eine Chance zu geben.

Eine gute Website, die sich nur mit Durians beschäftigt, ist unter diesem Link zu finden.

Meine Arbeit

Inzwischen habe ich mich bei der Arbeit gut eingelebt. Ich habe nicht mehr ganz so viel Zeit, mich diesem Tagebuch zu widmen, dafür habe ich wirklich das Gefühl, dass meine Arbeit gebraucht und honoriert wird. Das ist zwar bei den meisten Praktikanten hier der Fall, aber nicht unbedingt bei allen.

Meine derzeitige Aufgabe besteht darin, Programmteile für ein Testsystem für Autoradios zu schreiben. Ich bekomme die Chance, mich in ganz neue Aufgabengebiete, inklusive eine neue Programmiersprache, einzuarbeiten.

Meine Kollegen sind sehr nett und versuchen, mich in ihre Gemeinsschaft mit einzubeziehen. In meiner Abteilung gibt es ausgeprägte Kontakte unter den Leuten, was mir sehr gut gefällt.

Am Mittwochabend wurde ich zum Durian-Essen eingeladen. Die Durian ist eine für europäische Begriffe sehr seltsame Frucht. Sie riecht die ersten Male nicht gerade angenehm, fast schon ein Bisschen faulig. Ich hatte eine Woche zuvor schon einmal aus Neugierde auf dem Markt etwas davon gegessen, aber viel hatte ich nicht geschafft, da auch der Geschmack nicht mit irgend etwas anderem vergleichbar ist (siehe Infobox Durian). Jetzt fuhren wir extra zu einem Ort, wo es die besten Durains geben sollte.

Meine Kollegen jedenfalls waren sehr begeistert, dass ich nicht wie viele "Westler" einen großen Bogen um die Durian machte, sondern tatsächlich schon fünf Stücke des "King of Fruit" schaffte. Wir saßen noch ein wenig gemütlich zusamen, bis mich meine Chefin netterweise mit ihrem Auto nach Hause brachte. Insgesamt ein sehr schöner Abend.

Samstag / Sonntag, 14.-15. 06.2003 (Tag 41-42)

An diesem Wochenende wollten wir nach Hat Yai in Thailand fahren. Wir, das waren in diesem Fall Elke, Susanne, Rose, Martin, Thomas E. und ich. Wir hatten einen Bus gebucht, der um fünf Uhr am Busbahnhof abfahren sollte und waren dementsprechend um vier Uhr aufgestanden.

Der Busfahrer rief uns dann um halb sechs an und sagte Bescheid, dass er gerade losgefahren sei und bald kommen würde. Welcome to Malaysia.

Er kam dann auch bald, und nach dreieinhalb Stunden Fahrt und einer Grenzüberquerung kamen wir in Hat Yai an. Es war noch sehr früh, aber wir konnten schnell ein Reisebüro finden und ein Zimmer im sehr schönen Lee Gardens Hotel buchen.

Hat Yai

Dort angekommen, sprangen wir nach einem kurzen Frühstück erst mal in den geräumigen Pool auf dem Zwischendach im 12. Stock. Wir waren dort ganz alleine und die Sonne brannte heiß auf unsere von der Busfahrt geschundenen Glieder, und bis auf Susanne hätten wir alle direkt wieder einschlafen können.

Ich hatte mir vorgenommen, an diesem Wochenende einfach bloß zu entspannen, daher habe ich auch kaum Fotos. Ehrlich gesagt, ist Hat Yai auch nicht so wahnsinnig idyllisch oder pittoresk. Die Highlights werde ich hier kurz zusammentragen.

Thai-Massage

Direkt in unserem Hotel gab es einen Bereich für die berühmte Thai-Massage, bei der jedes Gelenk und jeder Muskel im Körper von kräftigen Händen durchgeknetet, verbogen und gedehnt wird.

Der erste Teil war etwas unangenehem. Man konnte sich aus etwa dreißig Masseurinnen eine aussuchen. Sie alle saßen mit einer Nummer beschriftet hinter einer Glaswand uns sahen fern. Das war uns allen etwas unangenehm, und es ist wahrscheinlich auch nicht besonders effektiv, Masseure nach dem Aussehen auszuwählen. Ich wählte dann die letzte, die durch die Farbe ihrer Nummer als "Master"-Masseurin gekennzeichnet war. Die beiden anderen Jungs, die nicht schnell genug gewesen waren, mussten mit einer der zierlicheren, aber dafür auch hübscheren Frauen vorlieb nehmen.

Wir bekamen, nach Geschlechtern getrennt, jeweils eine Matratze in einem Zimmer und wurden dann malträtiert. Das war schon ein Erlebnis. Man merkte, wie sich die Verspannungen im Körper auflösten und einem durchdringenden Schmerz Platz machten. Mal im Ernst: Die Massagepraxis der Thais ist in der Tat manchmal gewöhnungsbedürftig, aber bis zu dem Zeitpunkt, wo die Masseurin mit ihrem ganzen Gewicht auf meinen Oberschenkelmuskeln hin- und herwippte, war das Ganze recht angenehm. Danach jedenfalls war ich dermaßen entspannt, dass ich auf der Matratze vom Fleck weg hätte einschlafen können.

Seafood

Nach der Massage und einem Stündchen Regeneration im Hotelzimmer machten wir uns mit dem Tuk-Tuk (einer Art Taxi) auf den Weg zu einem Fischrestaurant, das uns mehrere Arbeitskollegen empfohlen hatten.

Auf den ersten Blick sah das Ganze recht unspektakulär aus. Die Sitzfläche war überdacht, aber sonst im Freien. Die Karte jedoch machte uns erste Hoffnungen, denn sie umfasste gut 15 Seiten verschiedene Gerichte mit Fisch und Meeresfrüchten.

Langer Rede kurzer Sinn: Das Essen war spektakulär. Ich hatte einen scharfen Thai-Salat mit Wassermimosen und dazu Riesengarnelen. Der Salat machte gut die Nase frei, und die Garnelen gehören sicherlich zu den leckersten zehn Dingen, die ich in meinem Leben gegessen habe. So verwöhnt, machten wir uns auf ins

Cabaret

In einem Unterhaltungs-Zentrum in der Peripherie von Hat Yai sahen wir uns ein sehr schönes Cabaret an. Die Darsteller waren alle Transvestiten, was jedoch niemandem aufgefallen wäre, wenn wir es nicht gewusst hätten. Die Kostüme und B/uhnenbilder waren sehr farbenfroh und einfallsreich, nur die Inhalte der Lieder waren für uns etwas schwer zu erschließen, da sie alle auf Chinesisch gesungen wurden. Das minderte die Erfahrung allerdings nicht wesentlich.

Shopping

Ein Punkt, fuer den Hat Yai bei vielen Malaysiern sehr beliebt ist, sind seine Shopping-Möglichkeiten. Es gibt außergewöhnlich viele Einkaufszentren und Läden an der Straße, und die meisten malaysischen Chinesen kamen mit riesigen Einkaufstüten ins Hotel zurück. Ganz so extrem war ich nicht, aber ich ließ es mir trotzdem nicht nehmen, eine gesunde Menge langärmelige Hemden zu kaufen, da es einige sehr stilvolle Läden gab. Die werde ich wahrscheinlich in Malaysia nicht so oft anziehen können, aber schön sind sie trotzdem. ;-)

Die thailändisch-malaysische Grenze

Bei der Grenzüberquerung mussten wir einige Male herzlich lachen. Nachdem wir für die Einreise nach Malaysia hochoffizielle Erklärungen ausfüllen mussten, wollten wir durch den Zoll, und unsere Sachen sollten durchleuchtet werden. Der Zollbeamte hatte aber keine Lust, machte kurzerhand eine Pause und ließ den Kontrollpunkt unbesetzt. Niemand störte sich daran, dass wir unkontrolliert durchgingen.

Nachdem wir dann die Grenze hinter uns hatten, gab es eine Straßensperre. Die malaysische Polizei hielt uns an, unser Fahrer eilte zu ihnen hin, der Beamte sah einmal kurz in unsere Gesichter und ließ uns dann weiterfahren. Dass wir nicht wie die anderen Autos, die dort standen, durchsucht wurden, hatte sicher nichts mit den 10 Baht zu tun, die der Fahrer vorher von jedem von uns eingesammelt hatte.

Mit dieser lustigen Episode beschlossen wir unser Wochenende in Thailand und hatten wieder festen, Englisch sprechenden, malaysischen Boden unter den Füßen. Abgesehen davon, dass Rose ihren Pass im Bus vergaß, war es das (sie bekam ihn wenige Stunden später wieder). Gut erholt aßen wir zusammen noch ein oder zwei sensationelle Hilmee-Burger, dann legten wir uns schlafen.

Dienstag, 17.06.2003 (Tag 44)

An diesem schönen Dienstag sah ich mir mit Natascha und Mischael den Film "Finding Nemo" an. Das ist der neueste Streifen aus dem Hause Disney, wie ich im Vorspann leider erfahren musste. Was ich aber noch erfuhr, war, dass er von Pixar gemacht ist, einer Animationsfirma, die wirklich höchste Qualität abliefert, zum Beispiel bei "Die Monster AG".

So war es dann auch höchst vergnüglich. Der Film war lustig, wir konnten uns stellenweise kaum halten vor Lachen. Außerdem waren die Fische, um die es in "Finding Nemo" geht, so liebevoll animiert, dass man wirklich staunen musste. Die Story war ebenfals sehr gelungen, so dass es insgesamt und ohne Abstriche ein toller Film war. Jederzeit empfehlenswert.

Die seilgezogene Bahn auf den Penang Hill, von oben

Mittwoch, 18.06.2003 (Tag 45)

Bisher hatte ich von Penang eigentlich nur Georgetown und Batu Ferringhi gesehen. Einmal waren wir an der Westküste der Insel entlanggefahren, aber damals hatten wir nicht viel Zeit. Am Mittwoch hatten sich Natascha und Michael vorgeommen, mit der Seilbahn auf den Penang Hill zu fahren, mit 830m den höchsten Berg der Insel. Elke, Rose und ich entscheiden uns, mitzukommen.

Penang Hill

Wir gingen früh von der Arbeit weg und fuhren los. Durch den dichten Berufsverkehr brauchten wir fast eine Stunde bis zum Fuß des Penang Hill und waren schließlich etwa um sieben Uhr dort. Die Fahrt mit der Seilbahn dauerte ca. eine halbe Stunde, so dass wir gerade den Sonnenuntergang gerade verpassten. Allerdings bietet die Zeit, direkt nachdem die Sone hinter dem Horizont verschwindet, meist das schönste Schauspiel, daher waren wir nicht enttäuscht.

Der Eindruck vom Gipfel aus lässt sich eigentlich nur mit Bildern wiedergeben. Hier sind meine besten:


Sonnenuntergang auf dem Penang Hill
Blick auf Georgetown und das gegenüberliegende Festland
Ein Hindu-Tempel auf dem Gipfel
Georgetown bei Nacht
v.l.n.r.: Michael, Natascha, Jan, Elke
...

Leider hatten wir vergessen, zwischendurch etwas zu essen und mussten noch eine Weile auf die Bahn nach unten warten. Deshalb waren wir ordentlich hungrig und aßen zu Hause noch ein schönes Tandoori-Huhn.

Am 29. Juni habe ich mir vorgenommen, den Penang Hill zu Fuß zu erklimmen. Dann findet nämlich der jährliche "Penang Hill Climb" statt, ein Wettlauf vom Botanischen Garten aus. Ich bin gespannt, wie ich dort mitkomme.

Donnerstag, 19.06.2003 (Tag 46)

Am Donnerstag ging es mal wieder nach Batu Ferringhi zum Nachtmarkt. Dort wird alles angeboten, was das Touristenherz erfreut:

Dabei liegt der Schwerpunkt irgendwo zwischen Kleidung und Kitsch. DVDs waren zeitweilig gar nicht zu bekommen, aber jetzt, zwei Wochen nach den Razzien, scheint alles wieder beim Alten zu sein. Die Händler verstelkcen sich besser, aber es gibt dasselbe. Nur die CD-Auswahl hat sich noch nicht erholt. Nicht, dass ich jemals raubkopierte Medien kaufen würde. Ich empfinde nämlich den tiefsten Respekt vor der Musik- und Filmbranche...

Ein Friedhof in den Bergen nahe des Taman Negara

Freitag, 20.06.2003 (Tag 47)

Der Freitag war größtenteils mit Vorbereitungen ausgefüllt, denn am Wochenende wollten wir in den Taman-Negara-Nationalpark fahren. Das war ein ehrgeiziges Unterfangen, da es mit der Autofahrt dorthin noch keinerlei Erfahrungen gab und die Entfernung Hin- und Rückfahrt etwa acht Stunden dauerte. Im Nachhinein kann ich jedoch sagen, dass sich die Strapazen gelohnt haben.

Taman Negara

Taman Negara ist ein über 5000m² großes Regenwaldgebiet, das zum größten Teil aus Primärwald besteht. Das bedeutet, dass er noch nie von Gletschern, Flutwellen, Vulkanausbrüchen oder ähnlichen Katastrophen zerstört wurde. Seit 130 Millionen Jahren besteht dieser Fleck Erde so, wie er jetzt ist. Er ist der einzige seiner Art auf der Welt.

In der Nacht zum Samstag standen wir um zwei Uhr auf, setzten uns in Michaels Auto und fuhren los. Wir waren zu fünft, mit mir saßen noch Michael, Natascha, Kenneth und Hans-Jörg im Auto. Es war ganz schön eng.

Wir wollten um neun Uhr an dem Bootsanleger sein, wo das Boot in den Nationalpark abfuhr. Der lag am Sungai Tembeling, einem Fluss, der für die meisten Besucher des Taman Negara der Eintrittspunkt in diese uralte Welt ist.

Samstag, 21.06.2003 (Tag 48)

Das Boot verpassten wir. Schade, aber so hatten wir noch die Gelegenheit, uns ausgiebig auszuruhen. Natascha hatte ein eher komisches als unangenehmes Erlebnis mit einem Blutegel an ihrem Knöchel, den wir allerdings früh genug bemerkten und ohne Schaden entfernen konnten. Das nächste Boot um 2 Uhr nachmittags nahmen wir und begannen die zweistündige Fahrt über den Sungai Tembeling zu unserer Unterkunft.

Am Abfahrtsort unseres Boots, Kuala Tembeling
Die Fahrt: Auf dem Wasser überholt man auch in Malaysia links
Wasserbüffel am Flussufer

Es war ein Erlebnis. Einen solchen Flusslauf hatte ich bis dato nur in "Apocalypse Now" gesehen. Beide Ufer waren von Regenwald bedeckt, nur zwischendurch führte mal eine mehr oder weniger solide Treppe in den Wald hinein zu einem Haus.

Kuala Tahan

Unser Hostel stand in Kuala Tahan, der "Talstation" für Besucher des Taman Negara. Nach der zweistündigen Fahrt kamen wir erholt und erfrischt dort an. Wir bezogen unsere minimalistische, aber gemütliche Unterkunft und aßen noch ein wenig, bevor wir uns für die restlichen anderhalb hellen Stunden in den Urwald schlugen.

Ein Urwaldriese

Der Pfad in den Wald, den wir nehmen wollten, führte zuerst durch eine ziemlich luxuriöse Ferienhaussiedlung, die allerdings (dank SARS) fast vollständig leer war. Hier hatten wir noch eine Begegnung der unangenehmeren Art mit einer Affenfamilie. Die Affen waren eindeutig in der überzahl, und das führt meist dazu, dass sie übermütig werden. Sie ließen uns erst passieren, nachdem wir ihre Drohgeb/arden erwiderten und keine Anstalten machten, unser ganzes Essen fallen zu lassen. Die ersten Male hatte ich schon Angst vor diesen kleinen aggressiven Viechern mit den großen Zähnen, und auch jetzt noch erschrecke ich, wenn so ein Affe auf mich zukommt und mich anfaucht.

Der Dschungel war, wie erwartet, wunderschön. Im Taman Negara kann man riesige alte Bäume und wunderbar vershclungenes Unterholz sehen. Die Idee, vom Pfad abzukommen, kann man an den meisten Stellen von vornherein vergessen, wenn man nicht eine Machete dabei hat.

Die Gesellschaft beim Abendessen, im Uhrzeigersinn von unten links: Natascha, Thomas E., Martin, Elke, Rose, Hans-Jörg, Jan, Kenneth

Wir verbrachten also noch etwas Zeit in diesem schönen Wald und machten uns dann auf den Weg zum Abendessen.

Dort trafen wir dann auch die anderen vier, die schon am Freitag losgefahren waren und dementsprechend am Samstagmorgen schon das Boot nach Kuala Tahan erreicht hatten. Sie hatten auch eine Menge zu berichten, da sie am Tag schon auf dem "Canopy Walkway" gewesen waren. Das ist ein Pfad aus in den Bäumen aufgehängten Hängebrücken, der in 30m Höhe ca. 400m durch die Baumwipfel geht. Das hatten wir uns für den Sonntag vorgenommen.

Am Abend hatten wir noch eine Jeep-Safari durch den Urwald gebucht. Das war das Einzige, was wir unseren müden Knochen noch zumuten wollten, und insgesamt eine ganz witzige Angelegenheit. Wir saßen auf der Ladefläche eines großen Jeeps, und auf dem Dach desselben saß unser Guide mit einer grellen Lampe. Damit fand er zielsicher einige interessante Tiere, von einer kleinen Schlange bis zu Wildkatzen und Spinnen. Bei uns kam der schleichende Verdacht auf, dass diese Tiere wohl jeden Tag an denselben Stellen zu finden sind, aber das verneinte er energisch und sagte, dass er sie nur durch ihre reflektierenden Augen finden könnte. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Eine kleine Baumschlange
Unser Guide auf dem Dach des Jeeps

Nach etwa zwei Stunden Fahrt kehrten wir total übermüdet zurück und schliefen innerhalb kürzester Zeit unter unseren Mückennetzen ein.

Sonntag, 22.06.2003 (Tag 49)

Wir schliefen gemütlich aus, was wir nach den Strapazen des vergangenen Tages auch nötig hatten. Nach dem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum oben schon beschriebenen Canopy Walkway. Wir mussten etwas warten, da sich schon eine längere Schlange gebildet hatte, aber es hat sich gelohnt. Die Aussicht von dort oben war großartig und das Gefühl, in 30m Höhe über dem Urwaldboden zu stehen, unbeschreiblich.

Allerdings war das Ganze nichts für Leute mit Höhenangst. Der Pfad schwankte ganz schön beim Drüberlaufen, und 30m sehen von oben aus auch bedrohlicher aus als von unten. Ein richtiger Spaß also.

Michael an einer besonders wackligen Stelle
Der Regenwald aus der Affenperspektive
Von einer der Baum-Plattformen aus fotografiert

Nachdem wir von dort zurück waren, mussten wir uns auch schon bald wieder auf dem Heimweg machen. Nochmal zwei Stunden Fahrt, diesmal flußabwärts, waren die letzte Gelegenheit zur Entspannung vor der langen Fahrt zurück nach Penang. Die Schilderuing dieser strapaziösen Irrfahrt erspare ich dem geneigten Leser ;-) Nach neun Stunden Fahrt waren wir jedenfalls sicher zu Hause. Stattdessen noch ein paar Bilder aus dem wunderschönen Taman Negara:

Die Baumwipfel des Taman Negara
Mein Schatten auf dem Canopy Walkway
Natascha und Jan sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht

There is shadow under this green tree,
(Come in under the shadow of this green tree),
And I will show you something different from either
Your shadow at morning striding behind you
Or your shadow at evening rising to meet you;
I will show you
YOUR SHADOW ON A TREE SIXTY FEET BELOW YOU!

T.S.Eliot, "The Waste Land", unverdient verändert

Mittwoch, 25.06.2003 (Tag 52)

Diese Woche wollte ich mal etwas aktiver werden, was das Nachtleben angeht. Einige Trainees fahren regelmäßig jeden Mittwoch in einen der Clubs in Georgetown. Die sind alle einigermaßen nah beieinander in der Nähe des Eastern & Oriental Hotel.

Der Mittwoch hat dort den Vorteil, dass überall 'Ladies' Night' ist. Das heißt, Frauen können umsonst trinken. In Deutschland würde mich das jederzeit abhalten, zu einer Party zu gehen, aber hier ist das ganz in Ordnung. Die Partyszene ist hier sowieso der reichen "Oberschicht" vorbehalten, daher gibt es ohnehin keinen "Underground", der durch solche plumpen Lockmaßnahmen verschreckt werden könnte. Viele Chinesen scheinen mir beim Feieren recht straightforward zu sein (Entschuldigung an alle Ausnahmen): Sie bestellen sich eine Flasche Hochprozentiges, trinken die zu dritt oder viert aus und lassen es sich gut gehen, nach einer Zeit manchmal auch nicht mehr so gut...

Es ging ins "Lush", einen knapp 400 Menschen fassenden Club, der in Rottönen ganz schön dekoriert war und zu meiner großen Erleichterung fast ausschließlich elektronische Musik spielte. Die war zudem sogar ziemlich gut.

Das großse Highlight des Abends waren allerdings die anderen Clubgänger. In Georgetown sind Europäer zwar nicht ungewöhnlich, aber eben doch selten, und so wurde uns eine ganze Menge Aufmerksamkeit zuteil. Insbesondere, da Sven und Hans-Jörg jeweils über 1,95m groß sind, womit sie die größten Asiaten locker um 20cm überragten.

Aufgrund dieser Aufmerksamkeit und der guten Musik hielten wir es im "Lush" bis 2 Uhr nachts aus und fuhren gut gelaunt wieder nach Hause. Zu dieser Zeit waren einige Chinesen dank Alkohol schon beim unangenehmeren Teil des Abends angekommen ;)

Donnerstag, 26.06.2003 (Tag 53)

Der Donnerstag war nach der langen Nacht vom Mittwoch wieder ein sehr aktiver Tag. Am Abend hatte ich die zweite Sache vor mir, die ich neben dem Ausgehen schon seit Wochen mal mitmachen wollte: den

Hash Run

Das ist eine Art Schnitzeljagd im Dschungel. Ca. vierzig erwachsene (!) Leute trafen sich an einem vorher bekannt gegebenen Ort, um entlang eines von weißen Papierschnipseln gekennzeichneten Weges durchs Unterholz zu hetzen. Hört sich das nicht lustig an? Das dachte ich auch und war entsprechend gespannt.

Wir Neuen (es waren etwa drei Neuzugänge dabei) wurden allen vorgestellt und kurz etwas durch den Kakao gezogen, dann konnte es losgehen. Anfangs wurde ich in der großen Gruppe noch verlangsamt, nachdem ich mich aber durch geschickte überholmanöver völlig erschöpft an die Gruppe der Schnelleren herangearbeitet hatte, ging es im schnellen Gehtempo voran, und das ist im Urwald bei einer Steigung von sicherlich 20% kein Zuckerschlecken. Meine viel zu rutschigen Sohlen ließen mich häufig ausrutschen, da es vorher geregnet hatte.

Nach ca. einer Stunde bergauf war der Gipfel des Hügels erreicht, und es wäre eine atemberaubende Aussicht auf Penang gewesen, wenn der Atem nicht schon wegen der Anstregung weg gewesen wäre. Der Rückweg war glitschig und voller Dornen, ich bekam einen schmerzvollen Stich von einer Biene und verlief mich zweimal.

Was vom Hash Run übrig blieb

Als ich unten ankam, blutete mein rechter Arm aus einigen Schrammen und meine Klamotten sahen so aus:

Dennoch war ich froh, diese Herausforderung genommen zu haben, und freute mich schon auf das nächste Mal. Die anderen Hash Runner waren dank meiner Umwege in der Mehrheit schon da, aber ich hatte mich fürs erste Mal nicht schlecht geschlagen. Unten gab es dann etwas zu essen und zu trinken, und was gibt es nach einer großen Anstrengung Schöneres als ein schönes kaltes Bier?

Die Teilnehmer des Hash Run kamen aus allen Lebenslagen, Altersgruppen, Berufszweigen und Nationalitäten, daher entwickelten sich noch sehr interessante Unterhaltungen. Schließlich war ich aber doch froh, einigermaßen früh ins Bett zu kommen.

Samstag, 28.06.2003 (Tag 54)

Dieses Wochenende war mal relativ ruhig, da ich am Sonntag vorhate, am "Penang Hill Climb" teilzunehmen, einem Wettlauf vom Fuß bis zum Gipfel des 830m hohen Penang Hill. Der Penang Hill ist die höchste Erhebung der Insel.

Am Samstag schlief ich erst einmal aus. Das war das erste Mal seit mehreren Wochen, da ich sonst immer arbeiten musste oder am Wochenende etwas Größeres vorhatte. Dementsprechend habe ich es genossen. Dann konnte ich noch ein Bisschen die Wohnung auf Vordermann bringen, wischen und mein Zimmer aufräumen und mir ein sehr gemütliches Frühstück machen.

Anschließend ging ich mit Thomas E. zusammen nach Georgetown, wo wir uns das Penang Museum anschauen wollten. Da wir uns im Bus vertan hatten, landeten wir allerdings in einer ganz anderen Ecke der Stadt. Auch nicht schlimm, so konnten wir uns den schönen thailändischen buddhistischen Tempel mit seinem 32m langen liegenden Buddha ansehen.

Nach einem kleinen Spaziergang an der promenade am Gurney Drive war es das dann auch shcon für den Samstag. Ich ging früh ins Bett, um für den Lauf am Sonntag fit zu sein.

Sonntag, 29.06.2003 (Tag 55)

Nach dem frühen Aufstehen nahm ich zusammen mit Sven eine Taxi zum "Youth Park", wo der Lauf starten sollte. Sven wollte ebenfalls mittlaufen, aber mit etwas mehr sportlichem Ehrgeiz als ich. Er hatte einen Monat vorher schon am "Penang Bridge Run", einem Halbmarathon über die berühmte Penang Bridge, teilgenommen.

Penang Hill Climb

Als wir um viertel nach sieben ankamen, war schon alles voll mit Läufern. Wir trafen noch meinen Kollegen/Chef Mr. Thana, der für unsere Abteilung die Teilnahme organisiert hatte, dann ging es um Punkt acht Uhr los. Sven und ich waren zwart nicht die einzigen Europäer, aber bei weitem die jüngsten, und die Leute um uns herum schüttelten uns die Hände und wünschten uns Glück.

Ein Bisschen Motivation war auch nötig. Es ging zuerst drei Kilometer ebenerdig zum Fuß des Hügels, dann fünf Kilometer den Berg hoch. Schon am Anfang der Steigung war ich völlig durchgeschwitzt, obwohl es so früh morgens gerade mal 25 Grad waren. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt noch ernsthaft, dass ich den ganzen Weg laufen könnte.

Das konnte ich aber nicht. Im Nachhinein erfuhr ich, dass ich das mit allen anderen Teilnehmern gemeinsam hatte, aber es setzte mir schon zu, als ich zum ersten Mal ins Gehen verfallen musste. Dazu muss man folgendes sagen: 800m/5km=16% Steigung, und das war der Durchschnitt. Es gab auch einige ebene Strecken zwischendurch, so dass sicherlich maximale Steigungen von 25-30% dabei waren.

Nach der Hälfte ging es mir wirklich übel, aber nach drei Vierteln war es wieder OK. Ich schaffte den gesamten Lauf in einer Stunde und 7 Minuten, was ganz OK war, und bekam wie alle anderen eine Urkunde, dass ich es unter zwei Stunden geschafft hatte ;-) Unter den ersten Hundert (von insgesamt über Tausend) war ich schon, denke ich. Das Gefühl, es geschafft zu haben, war toll.

Ob ich mir die Erkältung beim Warten auf meine Kollegen geholt habe, wobei ich dank dichter Wolkendecke ziemlich abkühlte, oder während des Regens, als ich mit ihnen zusammen wieder nach unten ging, ist schwer zu sagen. Vielleicht war es auch erst zu spät, als ich mich, frisch geduscht und mit nassen Haaren, mit Rose im Starbucks traf, wo natürlich die Klimaanlage auf Arktis gedreht war. Oder im Penang Museum, wo wir in ebenfalls 20 Grad Kälte die sehr interessante Ausstellung über die Geschichte der Insel ansahen und sich schon die ersten Anzeichen von Halsschmerzen bemerkbar machten. Möglicherweise wurde die laufende Nase auch von der bloßen Anstrengung verursacht, die es kostete, den ganzen weiteren Tag die Sehenswürdigkeiten von Georgetown abzuklappern und zum Abschluss noch ein Bisschen shoppen zu gehen. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits so kaputt, das ich nicht mal mehr etwas zum Anziehen kaufte ;-)

Um ganz ehrlich zu sein, ist wahrscheinlich die Tatsache, dass ich vergessene hatte, mir frische Socken einzupacken, und daher all das mit nassen Füßen machen musste, der Grund dafür, dass ich am Montag einen dicken Schnupfen hatte und die ganze Woche mehr oder weniger flach lag.

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aktualisiert: 07.09.2009 ich@jan-koch.com