ich blog zitate sprichworte kontakt

Navigation hier nicht verfügbar

Angkor - Ta Prohm

Kambodscha - Siem Reap und zurück

Aus Chiang Mai kam ich mit Rose zusammen mit dem Nachtzug nach Bangkok, und von dort aus nahmen wir sofort den Bus zur kambodschanischen Grenze. Die thailändische Grenzstadt heißt Aranya Prathet und ist von Bangkok aus in 4 Stunden zu erreichen. Dies war unsere erste Begegnung mit dem sehr gut ausgebauten thailändischen Busnetz. Bis zu unserer Rückkehr nach Thailand sollte es auch die letzte Begegnung mit einem angenehmen und günstigen Transportmittel sein.

Kambodscha ist nämlich in vielerlei Hinsicht etwas ganz Anderes. Erst 1998 wurden die Grenzen für ausländische Touristen wieder geöffnet. Vorher wurde das Land durch die Schreckensherrschaft der Roten Khmer und Bombardierungen seitens der USA im Vietnamkrieg so übel zugerichtet, dass die meisten intelligenten Menschen entweder tot oder geflohen sind und die meiste gewohnte Infrastruktur fehlt. Davor wurde schon im Reiseführer gewarnt. Man solle sich nicht ärgern, wenn man das Gefühl hat, schlecht behandelt zu werden oder dass die Dinge kopflos und unorganisiert ablaufen, denn wie sollte es unter diesen Umständen anders sein?

Angkor Wat

Das zu akzeptieren, ist jedoch leichter gesagt als getan. Besonders, da wir bereits bei der Hinreise nach Kambodscha einem ziemlich üblen Schwindel aufgesessen sind. Die Grenzstadt auf der kambodschanischen Seite heißt Poi Pet. Von dort aus waren es noch 155km bis zu unserem Ziel Siem Reap, der Stadt bei den Tempelanlagen von Angkor. Nachdem die Grenzüberquerung recht problemlos gelaufen war, waren wir auf der Suche nach einem Transportmittel. Praktischer weise bekamen wir noch innerhalb der Grenzstation eine Fahrt mit dem Bus nach Siem Reap angeboten. Wir bezahlten einen nicht ganz niedrigen, aber dennoch fairen Preis für die Reise und stiegen in den Bus.

Der fuhr dann allerdings nicht direkt nach Siem Reap, sondern erst mal zu einem Busunternehmen. Nachdem uns gesagt wurde, dass der endgültige Bus in einer Viertelstunde kommen sollte, trafen wir eine deutsche Familie, die dort nach demselben Versprechen schon seit vier (!) Stunden ausharrte. Doch wir hatten Glück. Nach einer halben Stunde, etwa um 2 Uhr nachmittags, kam der Bus, wurde bis ans Dach beladen und wir fuhren los. Die ersten 50 Kilometer waren kein Problem, die Straße war zwar nicht toll, aber das hatten wir ja erwartet. Dann ging es allerdings los. Wir machten eine unnötige einstündige Pause, was ja an sich noch kein Problem war, aber eigentlich hatten wir vor, frühzeitig in Siem Reap anzukommen. Dann nahm die Straße eine ganz andere Form an. Ein Feldweg in Deutschland ist bei weitem komfortabler zu befahren als diese von kurzen Stücken Weges unterbrochene Aneinanderreihung von Schlaglöchern.

Mehrere Mitreisende beschlich das Gefühl, dass der Fahrer absichtlich den Teil der Straße nutzte, der am meisten durchlöchert war. Das stellte sich in späteren Gesprächen mit Einheimischen als wahr heraus. Um es kurz zu machen und diesen unschönen Teil der Reise nicht zu sehr zu betonen, komme ich zum Punkt. Das Prinzip ist so:

Rose und ich hatten uns schon während der Fahrt als Querulanten entpuppt und deutlich gemacht, dass wir in dieser Herberge nicht schlafen würden, daher (denke ich) wurden wir schnell freigelassen, um nicht noch andere mitreißen zu können, und mit Motorrollern zu der Unterkunft gebracht, wo Clemens schon seit Stunden eingecheckt hatte. Von der deutschen Familie allerdings hörten wir Tage später, dass sie bei ihrem Auszug aus der Herberge am nächsten Tag übel beschimpft wurden.

Angkor

Nach einer Nacht in unserem wirklich angenehmen Hotel fühlten wir uns schon besser und konnten uns den Tempeln von Angkor hingeben. Für diejenigen, die davon noch nichts gehört haben: Angkor ist die ehemalige Hauptstadt des Khmer-Reiches, das im Mittelalter eines der einflussreichsten in Südostasien war. Angkor ist auch die größte Tempelanlage der Welt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Tempel für die Weltöffentlichkeit wiederentdeckt und werden seitdem (unterbrochen von den politischen Turbulenzen im Kambodscha der letzten vierzig Jahre) restauriert. Zuvor hatte sie seit dem 15. Jahrhundert, nur einigen Einheimischen bekannt, im Dschungel geschlummert. Mit der Öffnung Kambodschas wird Angkor zunehmend wieder zur größten Touristenattraktion Südostasiens.

Ich werde mich hier nicht lange mit den historischen Gegebenheiten befassen, da es dazu unendlich viele bessere Quellen gibt als meine Homepage. Es reicht wohl zu sagen, dass die Tempel von Angkor zwischen dem 9. und dem 14. Jahrhundert von den Herrschern des Khmer-Reiches gebaut wurden und anscheinend nur für einige Mönche und den König selbst als Gebetsstätte dienten. Die meisten der Tempel sind hinduistisch, aber es sind auch einige buddhistische (und auch gemischte!) darunter.

Mehr Sinn macht es wohl, ein paar Bilder dieser wirklich eindrucksvollen Tempel zu zeigen.

Buddhastatue im Tempel Bayon
Unser Guide, Clemens, Rose
Das Südtor der Khmer-Hauptstadt, Angkor Thom
Relief an der Wand des Bayon
Der Eingang zum noch überwucherten Tempel Ta Prohm
Ein Urwaldriese macht es sich auf der Tempelwand gemütlich
Khmer-Kinder

Kambodscha ist nun ein Land, in dem das Durchschnittseinkommen 250 Dollar pro Jahr beträgt. Das ist verdammt arm. Wenn man also als Europäer dorthin kommt, wissen die Einheimischen, dass man unendlich viel mehr Geld als sie hat. Das führt dazu, dass an jeder Ecke ein Kind steht, das einem etwas verkaufen möchte. Wenn wir an einem Tempel ankamen, erwarteten und nie unter zehn Kindern, die Postkarten, Bücher, T-Shirts und vor allem kalte Getränke verkaufen wollten. "Sir, you want cold drinks? Madame, please buy my postcards!" Das Vertrackte an dieser Situation ist, dass man nicht allen etwas abkaufen kann. Also muss man am Tag mindestens hundertmal mehr oder weniger energisch "Nein!" in ein strahlendes Kindergesicht sagen. Das schlägt nach einer Zeit auf die Stimmung.

Insgesamt verbrachten wir zwei Tage in Angkor. Am ersten Tag mieteten wir ein Auto und nahmen einen Führer, der uns die wichtigsten zeigte und dazu auch einiges erklären konnte. Am zweiten Tag mieteten wir uns Fahrräder und radelten morgens um fünf Uhr zum Sonnenaufgang nach Angkor Wat. Den Rest des Tages sahen wir uns noch mal in Ruhe und antizyklisch zum Besucherstrom die schönsten Tempel an und waren dabei öfters mal allein in einem der Tempel. Das ist bei weitem die bessere Möglichkeit, die Atmosphäre dort aufzunehmen.

Rose und Clemens auf dem Drahtesel
Sonnenaufgang in Angkor Wat
Sonnenuntergang auf einem Hügel
Eine kambodschanische Tankstelle, links in den Flaschen das Benzin

Am nächsten Tag, es muss der 3. Oktober gewesen sein, machten wir uns per Taxi auf die Rückreise nach Poi Pet und damit nach Thailand. Die Fahrt dauerte gerade vier Stunden, die Hälfte der auf der Hinfahrt benötigten Zeit. Als wir thailändischen Boden betraten, war das schon eine kleine Erleichterung. Kambodscha war ein Abenteuer und ziemlich anstrengend. Gut, dass uns nun einige Tage Entspannung auf Ko Chang bevorstanden.

Weiter zum zweiten Teil von Thailand - Ko Chang und Bangkok
aktualisiert: 07.09.2009 ich@jan-koch.com